Schloss Neuenburg

1462 gebaut und kein bisschen angestaubt.

Kindergarten, Gemeinderat und Heimatverein bringen Leben ins Schloss.

Vor der Rauchkate duftet es nach frischgebackenem Brot und im Schloss spielen die Kinder. Das Freilichtmuseum rund um das Schloss Neuenburg ist alles andere als angestaubt. Seit Graf Gerhard der Mutige die „Neue Burg“ 1462 als Trutzburg gegen die Ostfriesen gebaut hat, war immer Leben in dem Gebäude.

Nach dem Umbau des Schlosses zur Burg durch Graf Johann XVI wurde Neuenburg zum Zentrum höfischen Lebens. Der Oldenburger Graf baute hier ein Pferdegestüt auf, das Oldenburger Pferde nach ganz Europa exportierte.

Als das Landgericht einzog, wurde es ruhiger um Neuenburg. Ab 1858 war das Schloss ein Ort des Lernens. Erst war hier die Ackerbauschule, ab 1906 ein Lehrerinnen-Seminar und ab 1921 die Landfrauenschule beheimatet.



Die Hauskapelle der Grafen wurde für die Neuenburger Bürger geöffnet. Jedes Jahr am dritten Adventswochenende bringen die Pfadfinder vom Stamm Aldenburg aus Steinhausen zum Abschlussgottesdienst am Neeborger Wiehnachtsmarkt auf dem Schlossgelände das Friedenslicht aus Bethlehem in die Kapelle. Nach dem Gottesdienst versammeln sich alle Kirchgänger im Schlosshof und geben das Friedenslicht weiter.

Seit 1964 ist das Schloss in kommunaler Hand. Im Erdgeschoss befindet sich der Kindergarten, im ersten Stock eine vogelkundliche Ausstellung des Heimatvereins Neuenburg mit mehr als 100 präparierten Vögeln und 200 Gelegen. Der Sitzungssaal des Gemeinderates gleich nebenan wird an den Wochenenden zum Trausaal umfunktioniert.

Wer lieber in kleinerem Rahmen heiratet, nimmt im Herrenzimmer Platz. Der Heimatverein hat den Raum mit mehr als 100 Jahre alten, in Neuenburg hergestellten, Eichenmöbeln eingerichtet.

Den Sekt nach dem Ja-Wort trinken Braut und Bräutigam nebenan in der Cafeteria oder im Skulpturenpark vor der malerischen Schlosskulisse. Teilnehmer der Neuenburger Kunstwoche stellen ihre Werke zur Verfügung und bereichern so das Ensemble aus Landschaft, Kunst und Kultur.



Der Schlossrundgang führt über eine Graft hinüber zur Rauchkate. Das fast 400 Jahre alte, niederdeutsche Bauernhaus mit der für diese Region typischen Ankerbalkenkonstruktion, Reetdach und offener Feuerstelle stand bis in die 1960er Jahre am Ortsausgang Neuenburg in Richtung Bockhorn. 1964 wurde es ab- und auf dem Gelände des Freilichtmuseums wieder aufgebaut. Menschen und Tiere lebten unter einem Dach. Der Boden in der Tenne besteht aus Lehm. Die Wohnstube ist im Stil des 18. und 19. Jahrhunderts eingerichtet. Im Sommer lädt der Heimatverein regelmäßig zu Teeabenden am Küchenfeuer ein.

Gegenüber der Rauchkate sind in der Friesenscheune und in der 1978 hier aufgebauten Wagenremise mehr als 100 landwirtschaftliche Geräte ausgestellt. Und wie es sich bis 1900 für ein gutes Bauernhaus gehörte, steht gegenüber der Rauchkate auch ein Backhaus aus Backsteinen in Lehm gemauert. Zu den Backtagen im Sommer heizt Bäcker Ralf Splitthoff schon einen Tag vorher mit Holz oder Torf ein. Das Brot backt er genau wie zu Großmutters Zeiten.